Die Gegenwart der kommunistischen Vergangenheit – und ihre Zukunft

Bini Adamczak verfolgt die Fehler und Schrecken des Stalinismus vom Hitler-Stalin-Pakt, über die Schauprozesse bis zurück zur Oktoberrevolution.

Wie in in ihrem Buch 'Gestern Morgen' geht es dabei um Trauerarbeit die auf die Zukunft zielt. Die Geschichte von Oktoberrevolution und Stalinismus zeigt sie dabei auch anhand der jeweiligen Sexualpolitik - als Befreiungsakt in der Revolution und als Backlash autoritärer Männerphantasien unter Stalin: Denn die Russische Revolution war – auch – eine queer-feministische Revolution. Sie brachte die Legalisierung von Abtreibung und Homosex sowie erste tapsige Schritte zur Auflösung der Familie. 1922 erklärte ein sowjetisches Gericht die Ehe zwischen einer Cisfrau und einem Transmann für rechtens mit dem simplen Hinweis, sie sei einvernehmlich geschlossen worden. Umso mehr müssen sich (radikale) Linke und Kommunist_innen heute fragen, was danach so schrecklich schief gegangen ist - nicht um aus der bequemen Zukunft die Vergangenheit zu belehren, sondern den Anspruch der Vergangenheit in der Zukunft endlich einzulösen.

"Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System" Dieser Satz, von Michael Schumann auf dem ausserordentlichen Parteitag der SED/PDS im Dezember 1989 formuliert, ist seitdem zum Symbol geworden für die Selbsttransformation der SED zur PDS und schließlich zur Linkspartei. Aber nicht nur für die parlamentarische Linke war der Epochenbruch '89 einschneidend: Auch für die außerparlamentarische und radikale Linke markiert 'die Wende' eine Zäsur.

Was aber war das, was da 1989 - vor nun 25 Jahren - endgültig untergegangen und politisch wie ökonomisch abgewickelt wurde? Was bedeutet es für die heutige radikale Linke, sich nach 1989 - ja nach 1939 - noch oder wieder als kommunistisch bezeichnen? Was machen wir mit dem uneingelösten Versprechen der Oktoberevolution im noch-nicht untergegangenen Kapitalismus? Wie gehen wir um mit neostalinistischen und autoritären Ansätzen, wenn wir die Tragödie des Stalinismus nicht als Farce wiederholen wollen?

Die Reihe wird unterstützt von:
Jugendclub Courage Köln e.V., Interventionistische Linke Köln, Naturfreunde Köln-Kalk, Antifa ak, queergestellt (nur Bini Adamczak), Gesprächskreis Geschichte der Rosa Luxemburg Stiftung und Rosa Luxemburg Stiftung NRW.

Termindaten:

  • 20.11.2014 18:00 · Naturfreundehaus Kalk, Kapellenstrasse 9a, Köln, Deutschland