Informationen und Berichte zum laufenden Auschwitz-Prozess in Lüneburg

Seit dem 21. April 2015 läuft in Lüneburg einer der vermutlich letzten größeren NS-Prozesse in Deutschland. Der frühere SS-Unterscharführer Oskar Gröning muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen verantworten. 70 Jahre mussten die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz auf diesen Prozess warten, an dem sie sowohl als Nebenkläger_innen als auch Zeug_innen teilnehmen. Der Auftakt des Prozesses wurde von internationalen Medien begleitet. Der Angeklagte bezeichnete sich öffentlichkeitswirksam als moralisch schuldig. Ebenso versuchten organisierte Nazis und verurteilte Holocaustleugner den Prozess als Plattform für sich zu nutzen.

Nach den ersten zwölf Prozesstagen wird die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen vom bisherigen Prozessverlauf und den Ereignissen um den Prozess und den von ihnen gesammelten Eindrücke berichten. Jene haben bei den Besucher_innen bleibende Erinnerungen hinterlassen: Von den beeindruckenden Schilderungen/Zeugenaussagen der Auschwitz-Überlebenden bis hin zum SS-Vokabular des Angeklagten, das die von ihm geäußerte Reue und Demut nicht erkennen lässt. Die Geste des Verzeihens einer Auschwitz–Überlebenden, deren mediale Inszenierung sowohl von den Nebenkläger_innen wie auch dem Internationalen Auschwitz-Komitees scharf kritisiert wurde, dominierte die Schlagzeilen und den Diskurs über den Umgang mit NS Tätern und diesem Verfahren. Nur wenige Medien haben danach kontinuierlich ein Abbild des tatsächlichen Prozessgeschehens gegeben.

Die Veranstaltung soll einen offenen Rahmen bieten, sich über den laufenden Prozess zu informieren. Gleichermaßen soll die politische Bedeutung des Prozesses im Kontext der bundesdeutschen NS-Aufarbeitung thematisiert werden. Fragen zur Bedeutung einer unabhängigen Prozessbeobachtung – ihrer Möglichkeiten und Grenzen – werden ebenfalls angesprochen.

 

Termindaten:

  • 31.05.2015 15:00 · Centro Sociale, Sternstraße 2, Hamburg, Deutschland